Es war mir eine Ehre
Die größte Ehre meines Lebens, aber auch der unglaublichste, überraschendste, arbeitsreichste und gleichzeitig erschöpfendste Job, den ich mir vorstellen kann: Sechs Jahre den Bürgern als Bürgermeister der Gemeinde Kammerstein dienen zu dürfen. 2020 lagen viele Herausforderungen auf dem Tisch oder waren teilweise gut versteckt, viel war in den Vorjahren liegengeblieben. Ich will mich kurz fassen: Wir (Bürger, Bürgermeister, Verwaltung und Gemeinderat) haben Vieles, sehr Vieles geschafft. Die neue Schule ist so gut wie fertig, die Abwasseranlagen sind oder werden derzeit erneuert, wertvolles Gewerbe wurde angesiedelt ohne eigene Flächen, beim neuen Windkraftgebiet habe ich die Flächen gesichert, so dass 100 Prozent Bürgerbeteiligung gesichert sind, das totgesagte Tabak-Infozentrum wurde doch noch realisiert, die Verwaltung funktioniert jetzt hervorragend mit klarer Aufgabenverteilung und Vertretungsregelung. Eigentlich müsste auch der Gemeinderat stolz sein können auf diese starke Bilanz.
Vielleicht liegt bereits in diesem Schaffen, viel Schaffen, der Schlüssel zu meiner deutlichen Niederlage, die ich schon auch als persönliche Klatsche empfinde. Die neue Schule ist super schön, freundlich, hell und modern, aber mit 11 Mio auch teuer. Die Schulden, die wir in Ermangelung von Rücklagen aufnehmen mussten, werden uns lange belasten. Eine Pflichtaufgabe endlich erledigt, aber mit großen Lasten. Die Kosten für die neuen Abwasseranlagen müssen auf die Bürger umgelegt werden. Niemand freut sich, wenn er mehrere 1000 Euro für die Abwasserbeseitigung zahlen muss, wo er doch keinen unmittelbaren Nutzen von der Verbesserung sieht. Eine weitere Pflichtaufgabe, vorher seit vielen Jahren verzögert, jetzt erledigt, aber mit großen Lasten. Die Zeiten sind nicht leicht.
Die wichtigste Aufgabe aber war, den Frieden in der Gemeinde zu fördern nach dem ätzenden und zersetzenden Streit um den Standort der neuen Schule. Von Anfang an bin ich - soweit die Corona-Regeln das erlaubten - in alle Dörfer gegangen, zu allen Vereinen - auch um Vertrauen aufzubauen und auch, um gegebenenfalls um Verständnis für die andere Seite zu werben. Nun, der Schulstreit ist seit 1. März 2023 beigelegt durch den historischen Kompromiss im Gemeinderat, der zum Integrierten Ganztags-Schulkonzept führte.
Aber es gab neue Streitpunkte, ausgelöst unter anderem von illoyalen damaligen Mitarbeitern im Rathaus, die den Gemeinderat direkt und absichtsvoll gegen mich in Stellung brachten. Ich darf und will nicht zu sehr in die Einzelheiten gehen, aber die Frontstellung Gemeinderat gegen Bürgermeister hat darin ihren Ursprung. Plus natürlich in dem Umstand, dass ich als Auswärtiger von vornherein nicht den nötigen Stallgeruch mitbrachte. Aber eskaliert ist die Lage im Gemeinderat durch die beiden illoyalen Mitarbeiter, die mittlerweile nicht mehr bei uns arbeiten. Ohne diese Durchstechereien lässt sich der Grundkonflikt zwischen Gemeinderat und Bürgermeister nicht verstehen. Dazu kommt, dass ich mich Ende Juni 2025 gezwungen sah, dem Gemeinderat nach massiven Angriffen auf die Verwaltung mit einer Ansprache intensiv ins Gewissen zu reden, dass das so nicht geht. Wir liefen damals Gefahr, wegen der Angriffe aus dem Gemeinderat unsere besten Verwaltungs-Leute zu verlieren. Das kam natürlich nicht bei jedem Gemeinderatsmitglied gut an, manche verübeln mir diese Philippika bis heute.
Gerade dieser Frieden in der Gemeinde, mein Kern- und Herzensanliegen, droht jetzt wieder Schaden zu nehmen durch die überharte und persönlich diffamierende Wahlkampagne der Gegenseite. Kein an den Haaren herbeigezogener Vorwurf war zu platt, um ihn nicht gegen mich zu schleudern, teilweise sogar gegen die Verwaltung. Wie mir glaubwürdige Ohrenzeugen versichern, wurde in Veranstaltungen der Gegenseite ein Bild gezeichnet, dass praktisch an allem der Göll schuld sei. Verkürzt ausgedrückt, wenn man den loswerde, werde alles wieder gut. Einen Teil der Falschbehauptungen und Halbwahrheiten, soweit sie gedruckt wurden, konnte ich in einem Flyer richtigstellen, aber das hat wohl nicht mehr viel gefruchtet.
In jedem Fall haben zwei Drittel der Kammersteiner Wähler mich abgewählt. Das muss ich so hinnehmen. Der Souverän hat gesprochen. Demokratie bedeutet immer Verantwortung auf Zeit. Das Leben geht weiter. Ich werde nicht daran zerbrechen, auch wenn Einzelne das vielleicht gern sehen würden.
Sehr viele wertvolle Menschen durfte ich hier kennenlernen, daraus sind einige echte Freundschaften gewachsen.
Ich bin mir sicher: Die Gemeinde Kammerstein wird nur dann zu dauerhaftem innerem Frieden finden können, wenn sie sich klar von jenen Stimmen distanziert, die aus Verbitterung heraus im Hintergrund Einfluss nehmen. Entscheidend ist, dass künftig das gemeinsame Wohl und ein respektvolles Miteinander im Mittelpunkt stehen – und nicht persönliche Konflikte, etwa wegen verlorengegangener Abstimmungen oder Wahlen.
Meine Gesamtbilanz nach sechs Jahren ist nicht nur positiv, sondern richtig gut, wie ich finde: Die wichtigsten und teuersten Pflichtaufgaben, vorher teilweise viele Jahre lang verzögert, sind nun erledigt. Ich übergebe ein intaktes und funktionierendes Rathaus, eine gut aufgestellte und für die Zukunft gerüstete Gemeinde. Ich habe der Gemeinde Kammerstein gern gedient.
Es war mir eine Ehre.

